Andacht zu Hebräerbrief 13,12-14

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Für den Sonntag Judica am 29.03.2020

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. 13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. 14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Draußen vor dem Tor – statt drinnen hinter der Tür.

Und drinnen sind wir in diesen Tagen alle. Wir sind gehalten, nur die notwendigsten Besorgungen zu machen. Fast eine Woche Kontaktsperre liegt hinter uns.

Draußen vor dem Tor – höchstens zu zweit oder innerhalb der Familie.

Ansonsten: #WirbleibenzuHause.

Das ist ja auch gut so – und geboten!

Aber es verändert – den Alltag, das Miteinander, die Kontakte, Beziehungen, kurz: das Leben.

Ich habe nur eine ungefähre Ahnung, was es bedeutet, mit Homeoffice und Homeschooling zu jonglieren, Tagesabläufe in der Familie neu durchzudenken und festzusetzen.

Aber ich merke, dass viele an Grenzen stoßen.

Drinnen hinter der Tür – da geht es anders zu als sonst. Die Uhren ticken langsamer – gefühlt. Die Sorgen mancher Menschen aber nicht, eher im Gegenteil. Was wird mit dem Unternehmen? Wie wirken sich die Schließungen von vielen Geschäften aus? Welche Spuren hinterlässt Corona in unserer Wirtschaft? Ist mein Arbeitsplatz gesichert? Wie verhält es sich mit Kurzarbeit?

Und wie verbreitet sich das Virus weiter? Wie können wir uns schützen – ohne uns aufzugeben?

Drinnen hinter der Tür – ich merke, es fällt mir nicht leicht.

Ich merke, wie sehr ich auf Kontakte angewiesen bin, und das nicht nur über Bildschirm, Handy und Telefon.

Ja, ich finde es gut, dass es diese Medien gibt. Ohne Telefon und Internet wäre es sicherlich noch schwerer.

Wie selbstverständlich habe ich immer Hände geschüttelt, und mitunter muss ich mich immer noch konzentrieren, es zu unterlassen und den gebotenen Sicherheitsabstand einzuhalten. Ja, man wird routinierter, aber es fehlt doch etwas.

Und gleichzeitig draußen vor dem Tor – da läuft manches Leben auf Hochtouren. In den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, in den Supermärkten und Poststellen. Viele Menschen sind momentan mehr draußen als drinnen, um Regale oder Briefkästen zu füllen, um Menschen zu pflegen, zu behandeln oder zu versorgen.

Draußen vor dem Tor – hat Jesus gelitten. Fernab von Versammlungen, einsam, ausgeschlossen.

Draußen vor dem Tor – leidet er auch heute, mit den Kranken, mit denen, die Angst haben, mit denen, die um ihre Existenz fürchten.

Er scheint weit weg – drinnen in vielen Kirchen, wo im Moment niemand zum Gottesdienst hin kann.

Und doch – er ist da. Draußen und drinnen, in mir und um mich herum. Er ist rausgegangen in die Welt – und kommt mitten hinein in unser Leben.

Manchmal gerade dann, wenn wir es gar nicht erwarten…

Daran möchte ich glauben.

Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er sorgt für euch!“ Amen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sonntag, eine gute Zeit, viel Kraft und Kreativität in diesen besonderen Tagen!

Bleiben Sie behütet!

Ihre Patrizia Müller