Andacht für den Sonntag „Kantate“ zu 2.Chronik 5,2-5.12-14

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Liebe Gemeinde,
so viel hatten wir geplant…
An diesem Sonntag und letzte Woche hätten die Konfirmation stattfinden sollen,
nächste Woche die Konfirmation vom HPZ in Warburg.
Mitte Juni wollten wir unser Gemeindefest feiern,
die wichtigsten Vorbereitungen waren schon getroffen.

Das Corona-Virus und die Maßnahmen der Regierungen haben unsere Planungen durchbrochen.
Kein festlichen Einzug der Konfirmandinnen und Konfirmanden, begleitet von Posaunenchor, Kantorei, ProGospel-Chor und Orgel, kein Zusammensitzen auf Bierbänken vor der Kirche. Das Gemeindefest fällt in diesem Jahr aus, die Konfirmationen sind auf den Herbst verschoben,
die vom HPZ auf nächstes Jahr.

Planen ist schwierig geworden in diesen Zeiten. Verbindliche Aussagen können wir kaum treffen.
Dabei planen wir so gern diese fröhlichen Feste und die Gottesdienste, bei denen wir alles aufbieten,
wo Musiker und Predigerinnen ihr Bestes geben, manche in den Kirchenbänken leuchtende Augen bekommen, wo wir Brot und Wein miteinander teilen und Gott in unserer Mitte erahnen.

In Jerusalem haben sie auch so ein Fest geplant.
Der Tempel sollte eingeweiht werden. Und dazu hat gehört, dass die Bundeslade in einer feierlichen Zeremonie in den Tempel überführt wird.

Das Fest hat begonnen und alles ist gelaufen wie am Schnürchen.
Davon erzählt das 2. Buch der Chronik:

Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels,
alle Häupter der Stämme
und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem,
damit sie die Lade des Bundes hinaufbrächten aus der Stadt Davids,
das ist Zion.
Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels
zum Fest, das im siebenten Monat ist.
Und es kamen alle Ältesten Israels,
und die Leviten hoben die Lade auf
und brachten sie hinauf
samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät,
das in der Stiftshütte war;
es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.
Und alle Leviten, die Sänger waren,
nämlich Asaf, Heman und Jedutun
und ihre Söhne und Brüder,
angetan mit feiner Leinwand,
standen östlich vom Altar
mit Zimbeln, Psaltern und Harfen
und bei ihnen hundertzwanzig Priester,
die mit Trompeten bliesen.

Bis ins Detail wurde alles geplant. Alle haben ihren Platz eingenommen:
die Stammesfürsten, der König, die Gemeinde.
Und musikalisch war ganz schön was aufgeboten. Die Leviten hatten eine Sängertruppe,
die haben auch verschiedene Instrumente gespielt. Und dazu haben 120 Priester Trompete geblasen.
Das ist wie beim Kirchentag.

Wie wichtig ist doch die Musik! Gerade in den letzten Wochen ist es mir nochmal neu bewusst geworden!
Weil sie direkt ins Herz geht. Da können die Gedanken ruhen, die Augen umherschweifen.
Und das Herz kann mitsummen.

So haben auch die in Israel Gott gelobt, verschiedene Menschen, verschiedene Stimmen, verschiedene Aufgaben, verschiedene Orte,
vereint im Gotteslob.

Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn.
Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob  und man den Herrn lobte:
„Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig“, da wurde das Haus des Herrn erfüllt mit einer Wolke,
sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke;
denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus Gottes.

So schön haben sie Gott gelobt, als sängen sie mit einer Stimme.
Und dann ist es plötzlich nicht mehr weitergangen. Etwas hat das Gotteslob durchbrochen.
Aber das war kein Virus, das waren keine staatlichen Verordnungen. Es war Gott selbst.
Seine Herrlichkeit hat sich breit gemacht in einer dichten Wolke.

Viele wünschen sich das, dass Gott sich irgendwie bemerkbar macht. Sichtbar, fast greifbar.
Das ist passiert im Tempel von Jerusalem. Aber – das ist die unerwartete Seite der Medaille:
Wo Gott anwesend ist, müssen die Priester erstmal weichen. Sie können ihren Dienst nicht weiter tun,
weil die Wolke, die Herrlichkeit Gottes, den Raum erfüllt.

Da hört der religiöse Betrieb plötzlich auf. All die so gut geplanten Worte und Riten und Gesten
finden keinen Platz, Die feierlichen Einzüge bleiben stecken, die Hostien und der Abendmahlswein bleiben im Schrank,
das Festbier bleibt im Fass. Gott kommt, durchbricht alle Planungen, und in der Erzählung aus dem Buch der Chronik
klingt es so, als hätte das keiner ernsthaft erwartet.

Auch unsere Planungen sind durchkreuzt. Und niemand hatte im Vorfeld damit gerechnet.
Dass Gott dahinter steckt, mag ich nicht glauben. Ich glaube, Gottes Kommen fühlt sich anders an
als Angst vor Krankheit und ein reduziertes Leben. Für mich liegt die gute Nachricht in dieser Geschichte darin:
Gott kommt. Einfach so.
Unerwartet.
Er platzt einfach hinein – in den Tempel – zu uns.
Und vielleicht ist es kein Zufall, dass er zu einem Zeitpunkt kommt, als Trompeten blasen und Sänger singen, wenn Musik die Herzen weit öffnet.
Wenn hinter Masken und hinter Bildschirmen, hinter all den vordergründigen Gedanken unser Inneres in das vielstimmige Lob Gottes einstimmt:
Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig.
Amen.